Kleinere Betriebskrankenkassen haben vor Monaten in Thüringen Prüfverfahren bei Ärzten im Bereich der Verordnung von parenteraler Ernährung beantragt. Die getätigten Verordnungen der Ärzte sind den Kassen zu teuer gewesen. Sie rügen aus Kostengründen primär die Verordnung des Drei-Kammer-Beutelsystems statt des billigeren Zwei-Kammer-Beutelsystems. Nur sekundär wird die Auswahl der jeweiligen Lösungen kritisiert. Tatsächlich hat der Beschwerdeausschuss kürzlich der Rüge der Kassen stattgegeben mit der Begründung, dass die beiden Kammer-Beutelsysteme gleichwertig seien und daher die kostengünstigere Variante hätte gewählt werden müssen.

Diese Entscheidung wird für unzutreffend erachtet und bedarf der gerichtlichen Überprüfung. Der Standard bei der parenteralen Ernährung ist nach der Leitlinie der DEGEM die Verwendung einer „ALL in One-Lösung“ Dem dürfte das Zweikammer-Beutelsystem nicht entsprechen, da hier bei dem Beimischen von Fettemulsionen noch zusätzlich eine Glasflasche zwischengeschaltet werden muss. Ein Dreikammer-Beutelsystem benötigt dies gerade nicht. Außerdem sind die Hygienerisiken deshalb bei einem Zweikammer-Beutelsystem erheblich höher, erst recht im häuslichen Umfeld. Das Bruchrisko bei der Glasflasche kommt hinzu.

Außerdem dürfte das Herstellen und Beimischen von Fettemulsionen durch den ambulanten Pflegedienst vor Ort nicht von der HKP-Richtlinie des GBA, Anlage Nr.16, abgedeckt sein. Dort wird dieser Prozess bei der parenteralen Ernährung überhaupt nicht erwähnt. Ob mit diesem Prozess des Herstellens und Beimischens einer Fettemulsion nicht gar ein neues Arzneimittel durch den ambulanten Pflegedienst in unzulässiger Weise hergestellt wird, dürfte noch eine weitere Rechtsfrage sein.