Mit der neuen Regelung zur Fernbehandlung erschließen sich dem Arzt neue Formen der Behandlung des Patienten und eine damit verbundene Optimierung von Prozessen. Die Möglichkeit der Fernbehandlung soll die Versorgung effektiver gestalten, nicht aber die persönliche Zuwendung zum Patienten ersetzen. Ob es im Einzelfall Ärztlich vertretbar ist, den Patienten ausschließlich aus der Ferne zu beraten oder zu behandeln, liegt in der Verantwortung des Arztes.

Fest steht auch, dass die ausschließliche Fernbehandlung in der Regel nicht ausreichend sein wird, da nicht alle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Der Arzt muss ich immer wieder fragen, ob die technischen Möglichkeiten ausreichend sind, um sich ein vollständiges Bild vom Patienten zu machen. Schließlich ändert sich die ärztliche Haftung durch die Fernbehandlung nicht. Es ist zu erwarten, dass im Einzelfall sehr kritisch geprüft werden wird, ob die ärztliche Entscheidung zur Fernbehandlung vertretbar war.

Was ist alles derzeit im Rahmen der Fernbehandlung möglich?

  • AU – Bescheinigungen können aus berufsrechtlicher Sicht ausgestellt werden. Allerdings ist zu beachten, dass Gesetze und Regelungen im Vertragsarztrecht (§ 31 Satz 1, Satz 2 Bundesmantelvertrag – Ärzte dies aktuell jedoch nicht ermöglichen.
  • Überweisungen sind bei ausschließlicher Fernbehandlung berufsrechtlich zulässig. Auch hier gilt, dass die vertragsärztlichen Regelungen für das Überweisungsverfahren beachtet werden. Hier gilt § 24 Bundesmantelvertrag – Ärzte. Hinzu kommt, dass der Patient seinen Anspruch auf die vertragsärztliche Behandlung nachgewiesen hat.
  • Die Information an weiterbehandelnde Ärzte ist möglich. Der Patient muss sein Einverständnis erklären, dass die Tatsache der ausschließlichen Fernbehandlung dem weiterbehandelnden Arzt mitgeteilt wird. In Konsequenz sind auch die erhobenen Befunde weiterzuleiten.
  • Die Ärzteschaft darf über das Angebot einer ausschließlichen Fernbehandlung informieren. Aber auch hier gelten die berufsrechtlichen Grundsätze, wonach anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung untersagt ist. Zu beachten ist ferner das Heilmittelwerbegesetz, wonach Werbung für Fernbehandlung nach dem dortigen Regelungen ausdrücklich verboten ist. Auch hier gibt es noch keine Harmonisierung des Rechts.

Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass sie in ihrem Landesärztekammerbezirk prüfen müssen, ob die Landesärztekammer die Beschlüsse des Deutschen Ärztetages zur Fernbehandlung auch im Landesrecht transformiert haben. Dies ist noch nicht in allen Landesärztekammern der Fall, so dass dort die Fernbehandlung noch ausgeschlossen ist.