Die Krankenkassen schließen immer weniger integrierte Versorgungsmodelle ab und falls doch, dann werden die Hürden immer höher. Seit Monaten ist festzustellen, dass die Kassen Gespräche darüber führen, Versorgung gemeinsam zu gestalten und dann bundesweit auszuschreiben. Einer dieser Bereiche ist die chronische Wundversorgung.

Im Frühjahr 2019 sind offensichtlich Meinungsverschiedenheiten zwischen den Kassen entstanden mit der Konsequenz, die AOK Rheinland, die IKK und KKH eine Markterkundung gem. § 28 Abs.1 VgV zur chronischen Wundversorgung ausgeschrieben  haben.

In der Ausschreibung wird die Beschaffung wie folgt beschrieben:

Die Krankenkassen streben an, die Wundversorgung ihrer Versicherten zu optimieren. Hierzu führt die IKK classic für sich und in Vertretung der KKH, der AOK Rheinland/Hamburg und der mhplus Betriebskrankenkasse eine Markterkundung gem. § 28 Abs. 1 VgV durch. Im Rahmen der Marktbeobachtung analysieren die Krankenkassen aktuelle Versorgungssituation von Patienten mit chronischen Wunden. Als chronische Wunde gilt: Eine Wunde, die nach 8 Wochen nicht abgeheilt ist. Unabhängig von dieser zeitlich orientierten Definition, gibt es Wunden, die von Beginn an als chronisch anzusehen sind, da Ihre Behandlung eine Therapie der weiterhin bestehenden Ursache erfordert. Hierzu gehören beispielsweise das diabetische Fußulkus (E10.74, E11.74, E12.74, E13.74, E14.74, E10.75, E11.75, E12.75, E13.75, E14.75, I74.3, I73.1), Ulcus cruris (I70.23; I70.24; I70.25; I70.21, I83.0; I83.1, I83.2; I87.01; I87.21; L97; L98.4; R02) oder Dekubitus (.L89.1; L89.2; L89.3; L89.9)

Weiter heißt es:

Im Rahmen dieser selektivvertraglichen Markterkundung werden ausdrücklich keine Konzepte gesucht, welche eine Finanzierung über Verbandmittel, die Bildung von Einkaufsgemeinschaften zu Verbandmitteln anstreben oder welche Verbandmittel oder eine Bildung von Kompetenzen durch Wundzentren zum Leistungsgegenstand haben.

Gewünscht sind Informationen in der Region Nordrhein u. a. über:

die Anbieter (Managementgesellschaft), die Anzahl der potentiellen fachärztlichen Leistungserbringer (z.B. Diabetologen, Angiologen, Phlebologen etc.) je Facharztrichtung, die mögliche Einbindung von nicht-ärztlichen Leistungserbringern zur Unterstützung der fachärztlichen Betreuung, die Regionale Verteilung der fachärztlichen und nicht-ärztlichen Leistungserbringer, – Bestehende Vertragsstrukturen mit Angabe der Rechtsgrundlage (deutschlandweit), den Ablauf von potentiellen Versorgungsverläufen und Versorgungsprozessen (die Anwendbarkeit sollte auch in ländlichen Gebieten gewährleistet sein), die Vergütungsstrukturen und Preise, welche Qualitätskriterien als Voraussetzung zur Einbindung von ärztlichen und nicht-ärztlichen Leistungserbringern sinnvoll wären, die mögliche Implementierung einer Software oder eines Dokumentationsportals.

Jedem Marktteilnehmer wird Gelegenheit gegeben, der IKK classic seine Vorstellungen zu diesen und weiteren Punkten im Rahmen der derzeit stattfindenden Markterkundung näherzubringen. Gerne können auch vollständige Vertragsentwürfe eingereicht werden.

Voraussichtlicher Tag der Veröffentlichung der Auftragsbekanntmachung:

15/11/2019

Quelle: Ausschreibung zur Markterkundung gemäß § 28 Abs.1 VgV der AOK Rheinland, IKK und KKH 2019

Die Ausschreibung zeigt, dass die Kassen die Versorgungssteuerung noch stärker übernehmen wollen. Man will die derzeitige Situation der Zusammenarbeit von Ärzten mit Wundmanagern und deren Finanzierung verändern ohne Einbindung von Wundzentren. Dabei hat der Gesetzgeber erst kürzlich in einer Gesundheitsreform die Bildung von Wundzentren ermöglicht. Nach Rückfrage bei der AOK dürfte im Frühjahr 2020 die konkrete Ausschreibung der chronischen Wundversorgung erfolgen. Eingereichte Konzepte werden selbstverständlich nicht vergütet.