In den letzten Jahren ist das Thema Medikationsmanagement verstärkt in den Fokus der Politik und Selbstverwaltung gerückt. Die damit verbundenen Ziele der Qualitätsverbesserung in der Arzneimittelversorgung des Patienten, Senkung der Rate von unerwünschten Nebenwirkungen bei Arzneimitteln, Abbau der Polypharmazie und Kostensenkung, wurden bisher flächendeckend nicht erreicht. Stattdessen laufen Modellvorhaben wie das Projekt Arnim u.a., obwohl man mit anderen Maßnahmen bereits heute effektiver sein könnte. Ein erster richtiger Schritt ist sicherlich die im TSVG eingeführte Regelung, dass ab sofort jeder Hausarzt den mitbehandelnden Fachärzten den Medikationsplan bei Einwilligung des Patienten zusenden muss.

Gerade bei geriatrischen Patienten trifft man häufig Medikationsfehler an. Schon in Studien aus dem Jahre 2000, (z.B. Gurwitz JH et al. (2000) Am J Med. 109(2):87) wurde bei 2916 Heimbewohnern über 12 Monate Beobachtung festgestellt, dass bei 546 Patienten UAE festgestellt wurden und im Ergebnis 50% dieser Fälle als vermeidbar (!!) eingestuft wurden. Neuere Studien kommen zu noch höheren Fallzahlen vermeidbarer Medikationsfehler. So kam eine Studie der Apothekerkammer Nordrhein aus dem Jahre 2013 zu dem Ergebnis, dass Polypharmazie zu den häufigsten Krankheitskomplexen im Alter zählt.

Das Thema Arzneimitteltherapiesicherheit scheint weder im ärztlichen noch im pflegerischen Bereich ausgeprägt zu sein. Auch hier bestehen enorme Haftungsrisken. Gerade bei geriatrischen Patienten, die mehr als 5 Medikamente einnehmen, fehlt eine konsequente Therapiebeobachtung nach Medikamenteneinnahme sowohl im häuslichen Bereich wie in Pflegeheimen. Die fehlerhafte Medikamenteneinnahme, sowie eine falsche Lagerung der Medikamente erhöhen die Zahl der unerwünschten Arzneimittelnebenwirkungen etc.

Nach der Rechtsprechung in Arzthaftungssachen haften Arzt und Apotheker dem Pateinten gegenüber. Dies gilt aber nicht nur beim Medikationsmanagement, sondern auch im Bereich der Arzneimitteltherapiesicherheit. Der Arzt hat im Rahmen der Therapie mit Medikamenten eine therapeutische Verantwortung. Er hat den Patienten darüber individuell aufzuklären, wie er ein Medikament einzunehmen hat, aber auch, wie und wo der Patient das Medikament lagern soll. Oxidation, Luftfeuchtigkeit und Licht können die Wirkung von Medikamenten verändern oder gar aufheben. Diese Informationen hat der Arzt bei der Verordnung zu transportieren, der Apotheker bei der Abgabe der Arzneimittel.